780 : Global : WEIER Christian
14.02.2026

„Wenn die Pferde bereit sind, kommt auch der Erfolg wieder“

Springen

Interview mit Springreiter Christian Weier

Herr Weier, können Sie uns erläutern, wie Sie einst zum Reitsport gekommen sind?

Ich bin über meine Eltern zum Reitsport gekommen, meine Mutter war von jeher geritten. Über sie ist mein Vater zu den Pferden gekommen und ich dann durch meine Eltern. Mein Vater übernahm einst zusammen mit einem Freund einen Stall. In den 1980er Jahren baute er dann den Stall in Senningerberg, wo wir heute noch sind. Über diesen Weg fand ich meinen Weg zu den Pferden.

D.h. Sie waren von klein auf dabei?

Ja, genau. Ich musste als Kind warten, bis ich mit dem Reiten anfangen durfte. Es ist also schon lange her. Meine Schwester, die zwei Jahre älter ist als ich, war damals sauer, da sie erst mit zehn Jahren anfangen durfte und ich schon mit neun.

Wann trafen Sie die Entscheidung, ins Springreiten zu gehen und nicht z.B. in die Dressur oder eine andere Disziplin?

Das war für mich ziemlich früh klar, doch zu jener Zeit war es so, dass vorwiegend noch die klassische Reitausbildung gefördert wurde. Diese bestand aus mehreren Schritten. Es ging mit der Dressur los, mit der Jugendreiterprüfung und wenn man dann da das erforderlich Niveau hatte, durfte man auch springen.

Ende der 1990er Jahre hatten Sie dann einen ersten großen Erfolg als Sie Landesmeister bei den Young Rider wurden.

Damals war ich als Junior international ein wenig unterwegs. Zu jener Zeit war der hiesige Springsport noch weit weg von dem, was er heute ist. Ich nahm in dieser Altersklasse an Europameisterschaften teil und dann kam dieses Ergebnis beim luxemburgischen Championnat dazu. Das klappte als Young Rider sehr gut. Ich versuchte es international dann auch in dieser Kategorie, doch da waren ich und auch das Pferd überfordert. Danach begann ich mein Studium und ich musste mit den Reitsport etwas zurückfahren.

780 : Global : WEIER Christian
780 : Global : WEIER Christian

Was sehen Sie selbst als Ihren größten Erfolg und welche Events gaben Ihnen die größte Genugtuung?

Der Moment, als mir klar wurde, dass ich in der Lage war, international erfolgreich zu reiten, war, als ich in London mit dem 1998 geborenen Carisco die englische Meisterschaft der siebenjährigen Springpferde gewann. Ich arbeitete in England und ich hatte ihn mitgenommen, da in Luxemburg niemand war, der ihn reiten konnte. Er sollte eigentlich verkauft werden. Damals waren einige aus der bekannten Whitaker-Reitsportfamilie dabei und ich arbeitete auch kurz mit Ben Maher zusammen. Dadurch wurde ich respektiert und man nahm mich ernst. Da wurde mir bewusst, dass ich auf diesem Level mithalten konnte. Ich hatte sozusagen Blut geleckt, es war ein sehr wichtiger Schritt in meiner Karriere, denn sonst hätte ich später wahrscheinlich nicht mehr so viel gemacht, denke ich.

Später wurden Sie dann sogar in den COSL-Kader nominiert.

Das war zu der Zeit, als ich mit Carisco in Birmingham gewonnen hatte. Ich kam zusammen mit ihm auf dieses hohe Niveau. Wir bestritten Fünf-Sterne-Prüfungen und waren gemeinsam bei der Europameisterschaft in Madrid. Wir gingen diesen Weg wirklich zusammen und das war etwas, das mir sehr viel bedeutete. Da ich kein Pferd mehr hatte, mit dem ich dies wiederholen konnte, bin ich jetzt etwas weg vom großen Sport. Ich mache es halt immer noch als Amateur und in dem Fall muss man auf Partnerschaften bauen, die herausragend sind.

D.h. das beschreibt auch Ihren aktuellen Status?

Ich bin ganz klar ein Amateur. Meine Partnerin und ich betreiben gemeinsam ein Büro und wir haben sehr viel Arbeit. Ich habe zwei Kinder und betreibe den Reitsport als Hobby. Mit meinem zweiten Pferd, Global, das ich ebenfalls selber ausgebildet hatte, war ich aber auch noch erfolgreich. Mit ihm hatte ich das Finale der Europameisterschaft in Göteborg erreicht, was für mich sportlich das Größte war, das ich je erlebt hatte. Ich hatte nie davon geträumt, dass ich das je schaffen könnte. Doch diese Pferde haben mir das ermöglicht. Mit Global ging ich im Jahr danach auch noch die Weltmeisterschaft in Tryon (d.Red: in den USA). Mehr konnte ich mir nicht erwarten und danach war ich vielleicht ein wenig ausgebrannt und die Gesundheit des Pferdes war ebenfalls etwas weniger gut. Ich setzte aber auch sprichwörtlich ein wenig auf die falschen Pferde wie man so schön sagt.

Erklärt das auch, dass man Sie z.Z. nur noch eher sporadisch bei internationalen Turnieren sieht?

Ich habe zwei Pferde selbst ausgebildet, die dieses Jahr neun geworden sind. Diese könnten jetzt eigentlich schon schwere Prüfungen gehen, sie sind aber nicht so gut wie die, die ich davor hatte. Es ist einfach nicht das gleiche Niveau. Selber habe ich im Moment auch nicht das Reitniveau als zuvor. Den Anspruch, auf niedrigem internationalen Niveau gut zu sein und dort meine Zufriedenheit zu finden, habe ich aber weiterhin. Die großen sportlichen Ziele haben weniger Vorrang. Eine Motivation ist auf jeden Fall noch da und ich habe Lust, Pferde auszubilden. Ich hoffe zudem, vielleicht einmal das Glück zu haben, dass wieder ein besonders Guter darunter sein wird.

Die Aktuellen sind gut, doch es sind keine, die es mir erlauben, von Meisterschaften träumen zu können. Das ist auch nicht die Priorität. Diese liegt darin, mit den Pferden, die ich im Moment habe, eine gute Arbeit zu machen und eine langfristige Perspektive zu haben. Die beiden, die ich aktuell reite, machen Spaß, leider ist jedoch einer davon z.Z. verletzt. Der Saisonanfang wird dadurch weniger enthusiastisch als ich es gehofft habe. Ich setze jetzt auf den einen der bleibt und hoffe, dass ich wieder in den Sport hineinkommen kann. Ich bin zuversichtlich. Wenn der Moment gekommen ist, dann merkt man das. Wenn die Pferde bereit sind, kommt auch der Erfolg wieder.

„Ich bin positiver gestimmt als noch vor anderthalb Jahren“

Christian Weier

Wie kann man Ihre sportlichen Ziele im Moment einordnen?

Ich bin positiver gestimmt als noch vor anderthalb Jahren. Es geht darum, auf Zwei- oder Drei-Sterne-Niveau wettbewerbsfähig zu bleiben. Turniere in Belgien bleiben für mich eine Option. Wenn ich mit den Reitern dort mithalten kann, denke ich, dann habe ich hier zuhause in der Ausbildung der Pferde die richtige Arbeit gemacht. Es hat sich alles äußerst professionalisiert, so dass es für mich schwierig wird, als Amateur mitmachen zu können. Ich brauch diese Wettbewerbe und höre jetzt nicht auf, solche zu reiten, da die Motivation, nur zuhause zu reiten, mir dann doch nicht reicht. Ich bleibe trotzdem ein Sportler.

Die angesprochenen Wettbewerbe dürften auch ein wichtiges Feedback darstellen.

Genau, man muss wissen, wo man steht. Zuhause ist man immer der Champion, anderswo sieht es dann gerne völlig anders aus.

Können Sie die Arbeit im eigenen Stall kurz beschreiben?

Während sechs Tagen in der Woche reite ich und zwar in der Regel meistens abends nach der Arbeit. Ich versuche auf Basis eines eigenen Turnierplans, z.B. für die erwähnten Zwei- oder Drei-Sterne-Wettbewerbe, die Pferde vorzubereiten. Ich bilde sie selbst aus und trainiere sie, daneben habe eine Pflegerin, die mir hilft. Täglich reite ich und springe ich und schaue, dass es den Tieren gut geht und dass sie glücklich sind.

Wie kann man sich das vorstellen? Kaufen Sie einen Zwei- oder Dreijährigen, den Sie dann versuchen, auf ein bestimmtes Level zu bringen?

Jein, im Moment habe ich viele selber gezogene Pferde. Das ergab sich so, da ich über gute Stuten verfügte. Deren Nachwuchs ist gut, aber halt nicht auf Topniveau. Eines habe ich einer Reiterin aus unserem Stall abgekauft. Ich übernahm es, da es mir gut gefiel. Das passierte jedoch nicht mit der Hoffnung auf den großen Sport. Diesen kaufte ich als Fünfjährigen. Ich hätte Pferde schon gerne unter dem Sattel, wenn ich neue kaufen würde. Ich habe aber zu viele und kann mir deswegen auch keine weiteren anschauen. Zwei- oder dreijährig wäre mir aber zu früh, ich würde mich dann lieber nach Fünf- oder Sechsjährigen umsehen.

Das ist das Alter, wie es damals bei Carisco und Global der Fall war. Es versteht sich von selbst, dass der gemeinsame Weg mit selber gezüchteten Tieren ein längerer ist. Manche Voraussetzungen sieht man bei jungen Pferden früh, doch das, worauf es später ankommt, nämlich ob sie die richtige Einstellung als Athleten haben, erkennt man erst viel später, wenn sie sich den geforderten Aufgaben stellen müssen. Das Ziel, z.B. auf Zwei-Sterne-Niveau zu kommen, kann man schon einschätzen, doch wie weit die Entwicklung danach noch geht, ist schwer zu sagen. Ich habe nicht die Möglichkeit, Pferde zu kaufen, die schon bewiesen haben, dass sie ein höheres Niveau gehen können.

Das ist dann wie in allen Sportarten, je höher das Level, umso mehr kommt es auf die Details an.

Ja, wenn ich den Luxus hätte, mir einen aussuchen zu können, bei dem das Risiko geringer ist… Im Moment muss ich jedoch den beschriebenen Weg gehen, der viel mehr Unsicherheiten in sich birgt. Man muss viel Zeit und Energie investieren und am Ende weiß man nicht, ob man bis auf das gewünschte Niveau kommt. Aus diesem Grund hatte ich auch ein paar Jahre verloren, was ich aber nicht im negativen Sinn sehe. Im Moment habe ich das Gefühl, dass es wieder etwas besser wird.

Das angesprochene Risiko ist das, was besteht, wenn man sich nicht jeden Tag 24 Stunden lang damit beschäftigen kann oder wie muss man sich das vorsttellen?

Das war eine Wahl, die ich getroffen hatte. Ich wollte kein Profi sein. Meinen vorhin angesprochenen Turnierplan ändere ich auch des Öfteren, da ich ihn aus beruflichen Gründen nicht so befolgen kann, wie ich es eigentlich möchte. Als Selbständiger gibt es Phasen, in denen die Arbeit Vorrang hat. Ich bin lange genug dabei und ehrlich mit mir selber, wenn ich sage, dass ich das hohe Niveau im Moment auch nicht habe.

Ich versuche zu solchen Turnieren zu fahren, wenn ich wirklich bereit bin. Auch bei den guten Reitsportlern gibt es Höhen und Tiefen, auch wenn dies Tiefphase bei mir etwas länger als nötig dauerte. Ich freue mich und erwarte mir, dass ich in diesem Jahr wieder etwas von der Ausbildung der Pferde profitieren kann. Außerdem hoffe ich darauf, dass meine Gesundheit und die meiner Tiere gut bleibt, damit wir etwas zeigen können.

Dieser Artikel wurde ebenfalls im „De Lëtzebuerger Bauer“ veröffentlicht.

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