Die Haltung von Pferden ist individuell auszurichten
Die Urinstinkte von Pferden bestimmen auch heute noch den Charakter der Fluchttiere, die einst in Steppenlandschaften lebten und den Reflex in sich trugen – und auch heute noch tragen – sich vor Fressfeinden in Sicherheit zu bringen.
An diesem Verhalten hat auch die Domestizierung nichts geändert. Deshalb ist es wichtig, auf welche Art und Weise Menschen Pferde halten. Dabei geht es um weit mehr als nur um eine Box und Futter und, wie im Untertitel angedeutet, variiert diese Haltung je nach Tier und Charakter. Es ist wichtig, dass man den Bedürfnissen der einzelnen Pferde gerecht wird.
Es sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber dennoch: Bewegung ist für Pferde essenziell. Wildpferde sind bis zu sechzehn Stunden am Tag auf den Beinen. Beim Grasen bewegen sie sich ständig, was wichtig für den Verdauungs- und Bewegungsapparat ist. Diese Zeitspanne kann mit reinem Training nicht erreicht werden, weswegen Weiden zum Auslaufen, Führanlagen oder Laufbänder bei Sportpferden oft und gerne genutzt werden.
Die restliche Zeit verbringen die Huftiere mit Ruhen. Dabei gibt es mehrere, jeweils rund zwanzigminütige Phasen zu berücksichtigen. Dösen im Stehen können sie in der Box oder auf der Weide, doch für einen erholsamen Schlaf legen sich Pferde auch hin. Dafür ist eine vertraute Umgebung nötig sowie genügend Platz und ein weicher, trockener Untergrund, der zudem sauber ist. Gummimatten können in einer Box z.B. für zusätzlichen Komfort sorgen.
Pferde sind stets am „Knabbern“, eben wie zuvor erwähnt beim Grasen. Aus diesem Grund sollten sie auch immer Zugang zu Futter haben, um Probleme mit der Verdauung zu vermeiden. Zugang zu Wasser über Tränken und Heunetze o.ä. in ihren Boxen sind deswegen unerlässlich. Herdentiere brauchen soziale Kontakte, so auch Pferde. Gruppenleben und Austausch mit Artgenossen ist wichtig für ihr Wohlbefinden. Diese Kontakte werden über das Sehen, Hören und Riechen gepflegt. Fohlen und junge Tiere müssen in einer solchen Herde aufwachsen und dürfen nicht alleine gehalten werden. Sind Pferde in Einzelhaltung, sind Möglichkeiten zur Interaktion mit den Nachbarboxen wichtig.
Die berühmte „Pferdelunge“ ist sehr sensibel, weshalb ein sauberer Stall und saubere Luft Atemwegserkrankungen vorbeugen. Zu viel Staub oder auch Abgase können u.U. zu Problemen führen. Deswegen ist eine saubere Streu wichtig. Den einen Standard, wie man Pferde halten soll, gibt es nicht. Ställe, Boxen usw. sind genau wie die Tiere selbst unterschiedlich und müssen aufeinander abgestimmt werden, um das Tierwohl ideal zu gestalten.
Artikel basiert auf einer Veröffentlichung von bm-agrotech.ch und erschien ebenfalls im „De Lëtzebuerger Bauer“.
