Sportforum in Lausanne: zahlreiche Änderungsvorschläge für den Veterinärbereich
Ende März wurden im Rahmen des fünften FEI-Sportforums etliche Themen rundum das Pferdewohl diskutiert, auf Basis derer neue Regeln oder Regeländerungen der im November stattfindenden Generalversammlung des internationalen Reitsportverbandes zur Abstimmung vorgeschlagen werden können. Im Zentrum der Diskussionen stand das Pferdewohl in Zusammenhang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. So wurden die Wettkampftauglichkeit von Tieren besprochen, Regelungen zur Neurektomie, die Henneke-Skala zur Beurteilung des Köperzustandes eines Pferdes sowie die Funktion der Jugular-Vene. Es wurde angeregt, bei Kriterien zur Wettkampftauglichkeit auch die regionalen bzw. geografisch-klimatischen Unterschiede zu berücksichtigen.
Ausnahmeregelungen zur Benutzung von Pergolide, einem Mittel, mit dem das Equine Cushing-Syndrom behandelt wird, standen ebenfalls auf der Tagesordnung, genau wie eine eventuelle Abschaffung von Injektionsbehandlungen, strengere Beschränkungen für den Besitz von Substanzen und Medikamenten sowie die Anwendung von Infusionstherapien im Rahmen von Turnieren. Pferde, die mit Pergolide behandelt werden, sollen laut den auf dem Forum vorgetragenen Ideen bei Turnieren keine Medikamentenpause mehr einlegen müssen, da eine solche den Zustand der Tiere verschlechtern könne. Sogar die Frage, ob sich Springpferde mental für einen Parcours eigenen, wurde gestellt und entsprechende Bewertungskriterien wurden vorgeschlagen. Die eingangs erwähnte Neurektomie – der sog. Nervenschnitt – soll den Vorstellungen von Spezialisten zufolge künftig im Pferdepass vermerkt werden, alternativ soll die Durchtrennung des Palmarnervs von der FEI untersagt werden. In einigen Ländern verbieten Tierschutzgesetze diese Praxis bereits.
Weitere Diskussionspunkte betrafen das Tierwohl und die Sicherheit in den Ställen. Hier ging es u.a. um Lärm bzw. Lärmschutz und die Nutzung von sog. sanfter Mobilität in Ställen. Fahrräder, Elektroroller u.ä. dort zu nutzen, unterliege allgemeinen Sicherheitsbedenken, lediglich Ausnahmen für Para-Sportler sollten in diesem Zusammenhang gelten. Um Pferden ihre nötige Ruhe zu gönnen, vor allem im Rahmen von Turnieren die von früh morgens bis spät abends dauern, wurde die Idee von Stallschließungen ab 18 Uhr erörtert. Das Einhalten von min. sechs Stunden ohne Licht im Stall soll künftig strenger überprüft werden. Permanentes Dröhnen von Eismaschinen zum Kühlen von Gelenken wurde Angaben zufolge u.a. beim CHIO Aachen beklagt. Ein Vorschlag sieht vor, dass ein Tier eine halbe Stunde vor einer tierärztlichen Untersuchung nicht gekühlt werden darf. Gekühlte Gelenke können nämlich ein eventuelles Lahmen verschleiern.
Verfahren und Kostenstruktur zur Messung von Ponys sollen ebenfalls überdacht werden. Teilnehmer forderten zudem Klarheit zum Umgang mit als im Rahmen von Turnieren gefährlich zu wertenden Pferden. Die Waage zwischen einem Pferd, das gefährliches Verhalten zeigt, aber sportliche Höchstleistungen erbringen kann, wurde zusehends zum Thema dieses Diskussionspunkts. Weiter ging es beim FEI-Sportforum um das Recht, während einer Veranstaltung DNA-Proben eines Pferdes zu entnehmen, um dieses eindeutig identifizieren zu können. Der Einsatz von Magnetdecken soll dahingehend geregelt werden, dass diese nur noch mit Akkus betrieben werden dürfen, die ein Magnetfeld von ungefährlichen maximal hundert Gauß generieren. Abschließend soll überprüft werden, ob die Schwelle für Hypo- und Hypersensibilität möglicherweise aus den Protokollen zur Beurteilung der Extremitätenempfindlichkeit gestrichen werden.
Viele dieser Vorschläge sind in westeuropäischen Ländern bereits gesetzlich geregelt, aber noch nicht in den Regeln der FEI verankert. Ob und was schließlich in jenen stehen wird, wird wie erwähnt erst durch die FEI-Generalversammlung Ende des Jahres entschieden.
Die Information aus vorliegendem Text basieren auf folgenden zwei Artikeln:
Dieser Artikel erschien ebenfalls im „Lëtzebuerger Bauer“
