7,175 Punkte im Schnitt in der Endabrechnung für den Luxemburger
Übersicht aller WM-Ergebnisse
Als Philip Bäcker, sein Pferd Ballantines und Longiererin Alexandra Dietrich am Donnerstag vergangener Woche um Punkt 14:30 Uhr in das eigentliche Dressurstadion in Aachen, das speziell für das Voltigieren mit einem temporären Dach ausgestattet worden war, einliefen, war dies bereits ein besonderer Moment: es sollte das erste Mal überhaupt sein, dass ein Voltigierer aus Luxemburg bei einer Weltmeisterschaft der Erwachsenen teilnahm. Dieser Moment wurde noch außergewöhnlicher, als Stadionsprecher Arnaud Petit das Trio auf Luxemburgisch begrüßte. Bekam Bäcker davon in der Manege aufgrund hoher Konzentration nichts mit, so zeigten sich luxemburgische Fans in einem späteren Gespräch davon positiv überrascht – auch das ist Aachen!
Sportlich versuchte Bäcker sich nicht zu viel Druck aufzubürden und wollte einfach sein Bestes geben, wie er im Vorfeld der Weltreiterspiele erklärte. Die Pflicht erledigte er dann aber prompt mit einer persönlichen Bestleistung von 7,514 Punkten. Das technische Programm lief dagegen nicht ganz nach Wunsch (6,401), in der Kür kam Bäcker dann aber immerhin auf 7,392 Punkte. In der Endabrechnung wurde ein Schnitt von 7,175 ermittelt, was Platz 18 unter zwanzig Konkurrenten ausmachte. Zum Vergleich: Sieger Quentin Jabet (F) kam mit Estado Ifce auf 8,794 Punkte. Silber ging an Sam Dos Santos (NL, Hero, 8,508) und Bronze holte Bela Lehnen (D, Max, 8,448).
„Die Wertnote ist nicht das Wichtigste, ich bin einfach zufrieden mit der Leistung“ so Bäcker am Donnerstag nach der Pflicht. „Meine Trainerin war zufrieden, mein Pferd lief super.“ Manche Konkurrenten von der WM war der 25-jährige Student bereits bei Qualifikationsturnieren begegnet. „Es sind definitiv etliche in Aachen dabei, die ich von CVI-Turnieren aus Belgien oder den Niederlanden kenne und ich weiß, über welches Niveau sie verfügen. Dieses Niveau habe ich ganz klar noch nicht. Ich arbeite mich nach und nach da heran, es wird immer besser“ erläuterte er weiter.
Bäcker: „zwei Jahre daraufhin gearbeitet“
Auf eine bestimmte Punktzahl als konkrete Zielsetzung haben sich Bäcker und sein Team für die Zukunft nicht abgesprochen. Man geht Schritt für Schritt vor, wie er kurz nach seiner Premiere bei der WM im Rahmen eines Interviews erklärte. Man schaue, wo man hin möchte. „Jetzt war das große Ziel z.B. Aachen. Wir haben zwei Jahre daraufhin gearbeitet.“ Nachdem sein einstiges Pferd in den Ruhestand ging, setzte man alles daran, zu dieser Weltmeisterschaft kommen zu können. Ein Ziel, das mit Ballantines erreicht wurde. „Wir haben ihn komplett selber ausgebildet. Er kannte das Voltigieren davor nicht“ erklärte Philipp Bäcker zu dem Pferd, das ursprünglich aus der Hobby-Dressur kam und dort L- und M-Prüfungen gegangen war.
„Dieses Niveau muss er als Voltigierpferd auch gehen können. Wichtig ist, dass wir beim Voltigieren an der Longe mit ihm arbeiten können. Sehr viel was er lernt, die Kraft, die Balance halten, die Ausgeglichenheit, kommt aus dem Reitsport.“ Ein konstanter, stabiler Galopp ist wichtig für Pferde, wie sie Bäcker und Co. brauchen. „Ich habe zwei Bereiter, die jede Woche Reitstunden mit ihm bei einer guten Reitlehrerin haben.“ Während der Vorbereitung auf die WM wurde sein elfjähriger Hannoveraner auch von der Teamchefin geritten, die noch mehr mit Ballantines arbeiten konnte. Dabei ging es um Kraft und einen besseren Lauf. „Das Pferd wird auch bewertet“ erklärte Bäcker die Wichtigkeit einer guten Vorführung des Tieres selbst. Bis zu einem Viertel der Gesamtnote ergeben sich auf dem Gang des Pferdes.

Auch am Montag, nach den drei absolvierten Programmteilen, zeigte sich der 25-Jährige weiter zufrieden mit seinen Leistungen, die er bei der Weltmeisterschaft gezeigt hatte und durch die er eigenen Aussagen zufolge viel dazu lernte. Womit Bäcker auch für kommende Aufgaben gerüstet sein dürfte.
Dieser Artikel erscheint ebenfalls im „Lëtzebuerger Bauer“
