Ein Portrait-Interview mit Rich Simon, der bei RTL unter anderem auch über Reitsport berichtet
Seit wann bist du als Sportjournalist tätig?
1995 begann ich als freier Mitarbeiter in der Sportredaktion des Radios und arbeitete dort bis 2007. Dann wurde mir eine Festanstellung angeboten und seitdem bin ich in der Sportredaktion von RTL tätig, hauptsächlich für den Radiosender.
Seit wann berichtest du über Reitsport und wie kam es dazu?
Ich berichte seit 2019 über Reitsport. Damals wandte sich der Reitverband an uns, um zu schauen, wie wir die Sichtbarkeit des Sports verbessern könnten. Wir einigten uns darauf, von März bis Dezember einmal monatlich das Reitsportmagazin zu produzieren. Ich war daran interessiert und habe seitdem und solange der Vertrag noch läuft für dieses Reitsportmagazin gearbeitet. Ich habe alle Sendungen von 2019 bis heute gemacht, da kommen schon einige zusammen.
Du verfolgst ja auch andere Sportarten. Was macht den Reitsport für dich so besonders?
Ich denke, es ist die einzige Sportart, bei der der Athlet mit einem Lebewesen zusammenarbeitet, nämlich dem Pferd. Ich glaube nicht, dass das in einer anderen Sportart vorkommt und das ist etwas Spezielles. Man muss ein Pferd nicht nur trainieren, sondern es braucht auch täglich Pflege. Pferde haben, genau wie wir Menschen, manchmal kleine Wehwehchen, um die man sich kümmern muss.
Reitsport ist praktisch auf allen Ebenen ein Vollzeitjob, bei dem man jeden Tag etwas tun muss, anders als zum Beispiel beim Fußball, wo man als Hobbyspieler zwei- oder dreimal pro Woche trainiert und das war’s. Das ist im Reitsport nicht möglich. Man muss wirklich jeden Tag zu seinem Pferd gehen und die Bindung zwischen Reiter und Tier macht diesen Sport für mich so besonders, egal welche Disziplin – ob Dressur, Springreiten, Fahren oder Westernreiten. Das ist es, was mich am Reitsport reizt.
Hast du eine Lieblingsdisziplin im Reitsport? Bevorzugst du zum Beispiel Springreiten gegenüber Dressur, oder wie stehst du zu den einzelnen Disziplinen?
Ich habe keine Lieblingsdisziplin im Reitsport
Sportjournalist Rich Simon
Nein, ich habe keine Lieblingsdisziplin im Reitsport. Ich finde es auch schwierig, sie miteinander zu vergleichen. Springreiten ist die Disziplin, über die am meisten gesprochen wird, auch international und deshalb interessiere ich mich vielleicht etwas mehr für diese Ergebnisse. Aber ich will damit nicht sagen, dass eine Disziplin besser ist als die anderen. Für mich haben alle Disziplinen den gleichen Wert, und es ist auch schwierig, beispielsweise die Ergebnisse von Victor Bettendorf im Springen mit denen von Nicolas Wagner Ehlinger in der Dressur oder Marie Schiltz im Fahren zu vergleichen. Für mich sind sie alle auf einem Level.
Wie lange hat es gedauert, bis du dich journalistisch-redaktionell so intensiv mit dem Reitsport auseinandergesetzt hast, dass du genug darüber wusstest? Es erfordert extrem technisches und spezifisches Wissen.
Ich bin sicherlich kein Reitsportexperte, ich will mir diese Auszeichnung auch nicht selbst verleihen. Ich interessiere mich für Reitsport, aber es ist nicht so, als ob ich mein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht hätte, als im Radio und manchmal im Internet über Reitsport zu berichten – das ist definitiv nicht der Fall. Da es extrem technisch ist, ist Springreiten für einen Journalisten wie mich das Einfachste.
Das Pferd muss ein Hindernis überwinden, das dauert seine Zeit und ist messbar. Aber wenn ich mir die Dressur ansehe, braucht man, ein geschultes Auge und das habe ich in der Dressur definitiv nicht. Deshalb fällt mir Springreiten leichter, weil die Regeln relativ klar und leicht verständlich sind – leichter zu verstehen als beispielsweise in der Dressur, in der es für mich kompliziert wird.
Reitest du selbst oder saßt du schon mal auf einem Pferd?
Ich bin tatsächlich schon ein bisschen geritten. Das ist aber schon eine Weile her und ich habe auch erst relativ spät damit angefangen. Es muss um 2009 gewesen sein und zwar in Stegen im Stall von Guy Franziskus, der Richter und ein Freund von mir ist. Dort hatte ich einen guten, positiven Einstieg ins Reiten. Das hat mir auch viel Spaß gemacht. Ich erinnere mich, dass Guy und ich ein- oder zweimal mit den Pferden in den Wald ausgeritten sind. Das war wirklich schön und ich habe mich dabei auch ein bisschen an das Springen herangewagt.
Das ging dann aber einmal schief. Ich bin vom Pferd gefallen und hatte mir das Handgelenk gebrochen. Danach habe ich beschlossen, dass es zwar eine tolle Erfahrung war, ich aber trotzdem lieber andere Sportarten ausüben sollte, als auf Teufel komm raus mit dem Reiten weiterzumachen. Kurz nach dem Handgelenkbruch hatte ich dann einen schweren Skiunfall und so kam eins zum anderen. Das heißt, nach diesem Unfall um 2011 saß ich nicht mehr auf einem Pferd, weiß aber, wie es sich anfühlt, im Sattel zu sitzen.
Die Réiser Päerdesdeeg sind natürlich das bekannteste Reitturnier des Landes. Bei welchen Turnieren bist du regelmäßig beruflich oder als Zuschauer anzutreffen?
Es stimmt, dass die Réiser Päerdesdeeg das bekannteste Turnier des Landes sind, daher ist es sehr schade, dass sie dieses Jahr nicht stattfinden. Ich fahre selber jedes Jahr zu den Réiser Päerdesdeeg. Aber ehrlich gesagt war ich in den letzten Jahren hierzulande bei keinem Turnier. Das liegt an meinem Beruf als Sportjournalist, denn die Turniere finden ja fast immer am Wochenende statt. Und an den Wochenenden habe ich als Sportjournalist die meiste redaktionelle Arbeit. Dann sitze ich in Kirchberg und bin für den Sport im Radio zuständig.
Alternativ helfe ich auch ein bisschen im Internet aus, besonders wenn es um Reitsport geht. Ich schreibe Texte, die dann online gestellt werden. Wie gesagt, in den letzten Jahren war ich praktisch bei keinem Turnier mehr. Am Anfang, als ich noch mit Guy Franziskus geritten bin, war ich, wie schon erwähnt, mehr oder weniger regelmäßig bei Turnieren, zum Beispiel in der Fuussekaul oder auch in Stegen. Aber in den letzten Jahren nicht mehr so oft.
Wie schwierig ist es in einer Redaktion vermeintlich weniger populäre Sportarten wie z.B. das Reiten in einen Redaktionsplan aufzunehmen?
Das ist eine sehr gute Frage, aber ich denke, man muss da differenzieren. Ich kann jetzt nur für RTL sprechen, wo wir einerseits Fernsehen, dann aber auch Radio und das Internet haben. Das Problem bei Fernsehen und Radio ist, dass man nur begrenzt Zeit für Sport hat. Als Sportjournalist muss man abwägen, was in die verfügbare Sendezeit passt und welche Art von Nachrichten man präsentieren möchte. Es ist aber ganz klar: wenn Victor Bettendorf oder Nicolas Wagner Ehlinger internationale Top-Ergebnisse erzielen – und auch die anderen Reitsportler nicht zu vergessen –, werden sie im Radio und Fernsehen präsent sein. Im Internet ist das etwas einfacher. Das Internet ist, würde ich sagen, „grenzenlos“. Dort ist man nicht an feste Sendezeiten gebunden. Wird ein gutes Ergebnis erzielt, kann man es problemlos online stellen oder auch detailliertere Informationen liefern, wie es beispielsweise im Radio der Fall ist, wo die Sendezeit begrenzt ist und man dann nur kurz sagt: „Victor Bettendorf hat ein Fünf-Sterne-Turnier gewonnen.“
Im Internet kann man zusätzliche Informationen veröffentlichen, z. B. wie viele Siege es in einem Fünf-Sterne-Turnier gab, mit welchem Pferd und so weiter. Das ist ein großer Vorteil des Internets. Auch mit diesem Ziel vor Augen wandte sich der Verband damals an RTL, um, wie ich eingangs erwähnte, eine höhere Sichtbarkeit zu erlangen. Ich denke, dass wir das gut umsetzen. Natürlich gibt es noch Verbesserungspotenzial, aber ich finde, die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit dem Generalsekretär des Reitverbandes, Paul Engel, und wenn ich mir bei etwas nicht ganz sicher bin, rufe ich ihn ohne Zögern an, um weitere Details und Insiderinformationen zu erhalten. Ich muss sagen, dass Paul immer erreichbar ist. Die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren wirklich sehr gut entwickelt und es macht wirklich Spaß, mit dem Reitsportverband zusammenzuarbeiten.
Bekommt der Reitsport zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit?
Ich möchte nicht von einer Randsportart sprechen, dafür gibt es zu viele Lizenzen. Was die Zahl der Lizenzen angeht, gehört der luxemburgische Reitsport meines Wissens nach zu den Top 10 der rund sechzig Verbände. Deshalb halte ich die Bezeichnung „Randsportart“ für unpassend, aber es ist eine Sportart – und ich meine damit nicht nur hier in Luxemburg, sondern auch international –, die sicherlich nicht die Aufmerksamkeit erhält, die beispielsweise der Fußball genießt, um nur ein Beispiel zu nennen.
Automatisch per KI aus dem Luxemburgischen übersetzt und angepasst von Paul Krier
