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20.01.2026

Beier-Kinnen: „bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“

Dressur
Springen

Interview mit dem luxemburgischen Level-3-Steward Joëlle Beier-Kinnen

Joëlle Beier-Kinnen ist ein FEI-Steward aus Luxemburg. Sie kann dabei sowohl bei Spring- als auch Dressurturnieren auf internationalen Niveau eingesetzt werden, zusätzlich dazu hat sie auch die Qualifikation für die Para-Dressur.

Frau Beier-Kinnen, seit wann haben Sie mit dem Pferdesport zu tun? Reiten Sie selbst bzw. sind Sie früher selber geritten?

Ich begann mit elf Jahren auf Schulpferden in Reckenthal zu reiten. Dadurch begann ich, in den Reitsport hineinzukommen und Turniere zu bestreiten. Nach meinem Studium bekam ich mein erstes eigenes Pferd. Mit ihm stieg ich von der A-Dressur, also von der kleinsten Klasse, als er vier Jahr alt war, bis zum internationalen Grand Prix auf. Mit diesem Pferd ritt ich 2006 als erste Luxemburger Frau überhaupt bei einer Weltmeisterschaft, in Aachen damals.

19 Jahre später wurde Nicolas Wagner Ehlinger 18. bei der Europameisterschaft. Die Entwicklung seit Ihrer Zeit in Aachen bis heute ist beeindruckend.

Absolut, der Reitsport hat sich wirklich gut entwickelt, auch wenn man im Springen z.B. Victor Bettendorf sieht.

Können Sie etwas genauer beschreiben, wie viel Arbeit in die Ausbildung des von Ihnen erwähnten Pferdes bis zu diesem Punkt geflossen war?

Im Training wurde das sehr junge Pferd – es war wie gesagt ein Vierjähriger – gerade eingeritten. Das bedeutet, es wurde gemeinsam aufgebaut. Natürlich geht es immer um die Frage der Zusammenarbeit und Harmonie. Das Pferd merkt relativ schnell, was ich mir vorstellte, was ich dachte und ob ich Hilfe brauchte und das war auch umgekehrt der Fall. D.h., daraus entstand dann eine echte Einheit. Diese Einheit entwickelte sich über insgesamt fünf bis sieben Jahre. Das war natürlich eine großartige Erfahrung. Man hatte jeden Tag miteinander zu tun und man merkte tatsächlich, wie der, mit dem man zusammenarbeitete, drauf war.

War es das einzige Pferd, mit dem Sie dieses Niveau erreicht haben, oder kamen noch andere danach? Wie ging es weiter?

Es war ja mein erstes eigenes Pferd und ich sagte relativ früh, „okay, er hat mir so viel gegeben, er kann jetzt in Rente gehen.“ Aber ich war Amateur und der Reitsport ist etwas, das einfach viel Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb entschied ich für mich „okay, das erlebst du nur einmal.“

Wie hieß dieses Pferd?

Petit Prince. Es war schon fantastisch, wie wir zusammen aufgewachsen waren und Luxemburg vertreten konnten.

Wie wird man Steward? Können Sie den Weg erläutern, den Sie einschlagen mussten, um diese Funktion bekleiden zu können?

Nachdem ich selbst mit dem aktiven Reiten aufgehört hatte, suchte ich zunächst nach einer Möglichkeit, mich im Reitsport zu engagieren, um etwas zurückzugeben. Da kam mir plötzlich der Gedanke, Steward zu werden. Ich legte die ersten Prüfungen ab – für Dressur und Springen. Als ich damit anfing, erhielt ich die ersten Einladungen zu kleineren Turnieren. Mir wurde sofort klar, dass dies mein Ding war, da ich mich gut im Reitsport auskenne, weiß, wie Turniere ablaufen sollen und auch sehe, wie Reiter mit ihren Pferden umgehen. Ich merkte einfach, dass es passte.

Ist es von Vorteil, wenn man selber aus der Dressur oder dem Springen kommt und man wird Steward oder spielt das eher eine untergeordnete Rolle?

Ich denke, es spielt eine sehr wichtige Rolle, weil man sich dadurch oft besser in die Lage des Reiters versetzen kann. Man sieht, wie es funktioniert, wie alles zusammenhängt. Ich denke auch, dass die Reiter einen deswegen respektieren. Der Fakt, dass dies in der Zwischenzeit so kommuniziert und öffentlich bekannt worden war, dass ich das alles selbst gemacht habe, brachte mit sich, dass die Reiter sich sagten, dass sie mit mir reden können und dass ich über genügend Wissen in diesem Bereich verfüge.

Haben andere Stewards einen ähnlichen Hintergrund?

Ja, ich hatte viel Kontakt mit Stewards aus aller Welt und sie alle hatten im Grunde etwas mit Pferden und dem Reitsport zu tun.

Können Sie die genauen Aufgaben eines Stewards beschreiben?

Sie arbeiten stets nach dem Prinzip „Health, prevent, intervene“ (d.Red.: zu deutsch Gesundheit, vorbeugen und eingreifen). Unsere Hauptaufgabe ist die Unterstützung des Veranstalters, wie beispielsweise der Familie Thiry in Roeser, damit der Ablauf reibungslos funktioniert. Das bedeutet, dass alles vom Ablauf her, inkl. dem zeitlichen Rahmen, reibungslos klappen muss. Wir überprüfen auch die korrekte Ausrüstung. Wenn die Regeln beispielsweise vorschreiben, dass die Gamaschen einem bestimmten Standard entsprechen müssen, kontrollieren wir, ob dies auch der Fall ist. Wir müssen beim Abreiten anwesend sein, um sicherzustellen, dass die Pferde auch dort absolut korrekt behandelt werden. Es geht um das Pferdewohl.

Es ist überspitzt ausgedrückt, aber können Stewards als Compliance Officer oder so ähnlich bezeichnet werden? Sie sind schließlich dafür verantwortlich, dass Vorschriften eingehalten werden.

Genau, es geht darum, sicherzustellen, dass die Regeln befolgt werden. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich als Chefsteward – das ist der, der Teamchef ist – dem Reiter beispielsweise eine Gelbe Karte zeigen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn die falsche Ausrüstung angelegt wurde.

Sie haben mehrmals den Ablauf erwähnt. Geht es beispielsweise um die Wege, die die Pferde von der Stallgasse zum Reitplatz gehen oder was ist darunter zu verstehen? Ist damit auch der organisatorische Ablauf gemeint?

Der Zeitplan wird üblicherweise vom Veranstalter erstellt. Das Beispiel mit dem Stall ist jedoch eine unserer Aufgaben. Wir machen regelmäßig Kontrollgänge, um sicherzustellen, dass mit den Pferden alles in Ordnung ist. Es gelten genaue Regeln für die Ställe, z. B. für die Notausgänge und Feuerlöscher. Es ist auch sehr wichtig, dass niemand den Stall betritt, der dort nichts verloren hat.

Wie sieht der Weg zum FEI-Steward aus? Muss man diese Funktion zunächst bei kleineren Turnieren ausüben, bevor man ein bestimmtes Niveau, beispielsweise bei einer Europameisterschaft, erreicht?

Man beginnt mit kleineren Turnieren und wenn man das gut macht, dann kann die FEI einen beispielsweise auch für Championnate auswählen. Es kommt einem natürlich zugute, wenn die FEI sieht, dass da jemand ist, der viel Ahnung vom Sport und von Pferden hat. Sie sind natürlich auch da, um einen zu fördern.

Muss man einen bestimmten Lehrgang absolvieren oder ein Zertifikat der FEI erwerben, um offiziell anerkannt zu werden? Wie sieht das genau aus?

Es gibt eine Art Einführungsprüfung. Man absolviert ein mehrtägiges Praktikum und wird anschließend von Prüfern getestet. Danach muss man jährlich eine Online-Prüfung und alle drei Jahre eine Präsenzprüfung ablegen. Über diesen Weg kann man auf ein höheres Level kommen. Ich bin derzeit auf Level 3 für die Dressur, das Springen und die Para-Dressur und damit kann man auch Chefsteward sein.

Bei welchen Turnieren sind Sie i.d.R. im Einsatz?

Ich habe wirklich Glück, dass ich bei Fünf-Sterne-Turnieren dabei sein kann, sowohl in der Dressur als auch im Springen und jetzt auch bei hohen Para-Turnieren. Die Para-Turniere machen mir besonders viel Spaß. Ich habe vor Kurzem auch die offizielle Einladung zu den Weltmeisterschaften in Aachen für die Dressur und Para-Dressur erhalten.

Das heißt, unter CDI 1* sind Sie beispielsweise nicht bei nationalen Turnieren im Einsatz?

Nein, auf nationalem Niveau mache ich nichts. In Luxemburg gelten zudem etwas andere Regeln. Auch in Deutschland bin ich nicht bei nationalen Turnieren dabei.

Laut Website der FEI gibt es mehrere Kategorien von Stewards, die mit 1 bis 3 gekennzeichnet sind. Was bedeutet dies? Sie selbst sind in der Kategorie 3, was können Sie zu Ihrer Einstufung sagen?

Das ist ein Weg, über den man sich sich schrittweise hocharbeiten kann. Die Kategorie 1 ist die niedrigste und wird nach den ersten Examen erreicht. Level 3 zu erreichen ist insofern wichtig, da man dadurch zum Chefsteward, also zum Teamleiter, ernannt werden kann. Um aufzusteigen, muss man Examen abgelegt und an einer bestimmten Anzahl von Turnieren mitgewirkt haben.

Es ist also nicht so, dass ein Steward der Kategorie 1 beispielsweise nur zu einem CSI 1*- oder CDI 1*-Turnier eingeladen werden darf?

Nein, sie können überall eingeladen werden, außer zu Championnaten, aber das ist eine ganz andere Sache.

Wie werden Ihre Einsätze und Einsatzorte festgelegt? Erhalten Sie Vorgaben von der FEI oder haben Sie diesbezüglich einen gewissen Spielraum, um das selber zu bestimmen?

Der Veranstalter lädt einen ein. Bei den großen Meisterschaften, wie beispielsweise letztes Jahr in Crozet, unterbreitet der Chefsteward der FEI Vorschläge. Er teilt der FEI mit, wen er gerne dabei hätte. Die FEI entscheidet dann, wen sie vor Ort haben möchte.

Was war bislang das größte Reitsportevent, bei dem Sie Steward waren?

Ich war bei drei Olympischen Spielen. Rio waren meine ersten, dann Tokio und schließlich Paris. Auch bei den Weltmeisterschaften 2013 in Caen, 2018 in Tryon (USA) und 2022 in Herning (DK) war ich dabei.

Paris, Versailles und sein Schloss waren 2024 wohl eine Welt für sich. Was haben Sie dort empfunden?

Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich glaube, das wird wohl mit großer Wahrscheinlichkeit etwas Einmaliges bleiben. Die ganzen Emotionen die da waren, wie das Publikum mitging, das war einzigartig!

Bei wie vielen Turnieren sind Sie im Laufe eines Jahres im Einsatz?

Ich mache das nicht so oft, weil es für mich ein Hobby ist. Es ist definitiv kein Job, sondern ehrenamtlich. Acht bis zehn Turniere im Jahr sind das Maximum. Ich denke, wenn man es so einrichten kann, dann sollte es etwas ganz Besonderes sein. Ich will nicht, dass eine Routine daraus wird. Ich möchte unvoreingenommen hinfahren und mich offen mental darauf vorbereiten. Wenn ich jetzt jedes Wochenende oder dreimal im Monat im Einsatz wäre, wäre das nicht mehr gegeben. Es soll ja Spaß machen.

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