Zuständigkeitsbereiche der einstigen Antidoping-Behörde wurden stark erweitert
Am 1.April wurde in der „Coque“ auf Kirchberg die ALIS vorgestellt, die Nachfolgeorganisation der bisherigen Antidopingbehörde ALAD. Die Namensänderung spiegelt die neuen Zuständigkeiten wider, ALIS steht für „Agence Luxembourgeoise pour l’Intégrité dans le Sport“.

Sportministerin Martine Hansen war bei der Veranstaltung anwesend. Für sie schließt sich gewissermaßen ein Kreis: als Landwirtschaftsministerin untersteht ihr die ALVA, die Luxemburger Veterinär- und Lebensmittelverwaltung, über welche der Tierschutz geregelt wird, welche auch Einfluss auf den Reitsport hat. Die ALIS ist künftig anstatt der ALAD für Vergehen beim Doping, Safeguarding und bei Wettkampfmanipulationen zuständig – und in diesen Bereichen kommt nicht nur die FLSE als Sportverband und COSL-Mitglied ins Spiel. Laut der Sportministerin sei der Wille da, einen sauberen und transparenten Sport zu garantieren.
Betreffen die von ALIS-Direktor Loïc Hoscheit angesprochenen „Enhanced Games“, die Ende Mai erstmals in Las Vegas (USA) stattfinden, den Reitsport nicht, so zeigte die Vergangenheit jedoch, dass Elitesportlerinnen und -sportler sämtlicher Disziplinen sich an geltendes Antidopingrecht halten müssen. Das Grundrecht auf einen Sport ohne Doping müsse verteidigt werden, so der einstige Handballer vom HB Düdelingen. Neue Testmethoden seien heute so präzise, dass es zu positiven Befunden kommen könne, obschon Sportler sich nicht gedopt hätten. Die Kehrseite der Medaille sei dann, dass tatsächliche Dopingsünder sich hinter solchen übergenauen Tests zu verstecken versuchten.
Wie jede Sportart ist das sog. „Safeguarding“ ein Thema, das auch den Pferdesport betrifft. Dabei geht es konkret darum, vor allem Kinder und Jugendliche vor Missbrauch, Ausnutzung und Mobbing zu schützen. Es gehe sowohl um physische und verbale Gewalt, die nicht hingenommen werden kann, als auch u.a. um Rassismus oder sexuelle Belästigung. Ein Beispiel seien laut Hoscheit Trainer, die ihre jungen Schützlinge anbrüllen würden. Laut den Erklärungen würden solche Methoden sich nur selten leistungsfördernd auswirken.

Nicht einmal 29 Prozent aller luxemburgischen Sportverbände würden z.Z. über Strukturen verfügen, über die man solche Probleme melden könne. Um an die ALIS herangetragene Fälle zu bearbeiten, kann die neue Agentur auf ein Netzwerk von Professionellen u.a. aus den Bereichen Recht und Medizin zurückgreifen. Schlimme Fälle an die Justiz weiterzuleiten sei ebenfalls die Pflicht der ALIS, so Hoscheit. Auf der Website der „Agence Luxembourgeoise pour l’Intégrité dans le Sport“ (www.alis.lu) können Verdachtsfälle vertraulich oder anonym online gemeldet werden.
Das Safeguarding wurde bereits vor der Gründung der ALIS in die Statuten der FLSE aufgenommen. Beim internationalen Reitsportverband FEI ist das Safeguarding nämlich schon länger ein Thema. Die neue Satzung des Reitsportverbandes verweist auch im Bereich des Antidoping künftig auf die ALIS, wo sie früher auf die ALAD verwies. Sollten Verdachtsfälle an den luxemburgischen Reitsportverband FLSE herangetragen werden, leitet dieser sie an die ALIS weiter.
Der zweite neue Bereich, für den die ALIS zuständig ist, ist der von Wettkampfmanipulationen. Dieser betrifft hauptsächlich populäre Ballsportarten. Googelt man das Thema Wettkampfmanipulation zusammen mit Reitsport, findet man hauptsächlich Artikel zu (Anti-) Doping und Tierquälerei, was dann wiederum das ursprüngliche Aufgabenfeld der früheren ALAD betrifft oder wie eingangs erwähnt die ALVA.
Dieser Artikel erscheint ebenfalls im „Lëtzebuerger Bauer“
